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Montag, 30. Juni 2014

Das Museum auf Papier

Brigitte Berndt mit Ausstellungsbeteiligung

KUNST UND PARTNER

Kunstverein Weiden


www.kunstvereinweiden.de

 

 

Der Kunst-Partner-Kalender. Geschichte und Hintergrund.

Regensburg 1979.

Der alternative, umwelt- und jugend- bewegte Geist, der seit den 1960er Jahren durch deutsche Lande weht, führt dazu, dass eine Gruppe junger Leute aus der wilden Weidener JUZ-Szene beschliessen, ein Lebens-Unternehmer-Experiment zu wagen und in der Oberpfälzer Metropole Regensburg einen Verlag zu gründen. Dazu kommt eine Druckerei. Das sozial-romantische Start-Motiv fürs Anders-Machen erhält Bestätigung und Antrieb aus den gesellschafts-politischen Turbulenzen der Oberpfalz der 1980er Jahre.

 

Es ist der Widerstand vieler Oberpfälzer gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungs-Anlage in Wackersdorf und die Umwandlung der Region in den deutschen atomaren Entsorgungs-Park, der Stimmung, Denken und Handeln der Menschen bestimmt.

 

Zu den ersten Produkten des Kartenhaus-Kollektivs gehören dem entsprechend Bücher über Pop Sunday und die WAA.

 

Das kollektivistische Muster, dem nach Betriebe der Belegschaft gehören sollen, dh. den Umtriebigen, die sie betreiben, übt bis heute prägende Kraft aus; die Druckerei Kartenhaus-Kollektiv wurzelt dabei fest im allgemeinen Wirtschaftleben und hat inzwischen Professionalisierungs-Hürden, Engstellen und Stürme verschiedenster Art bravourös überstanden.

 

Ein Zweig, der diesem Machen mittelbar entwachsen ist, ist der Kunst-Partner-Kalender, den die Geschäftsführerin Wilma Rapf-Karikari und der für Druck und Vertrieb Zuständige Ingo Kübler, herausgeben.

 

Seit inzwischen 21 Jahren be- und entsteht nun schon dieses Kunstwerk aus Kunstwerken und kommt als papierenes Ambulanz-Museum Jahr für Jahr zu seinem Publikum ins Haus.

 

Das Konzept des Kalenders besteht darin, jeden Monat des Jahres mit einem Gemälde, einer Skulptur oder einem anderen Kunstobjekt als Kalenderblatt an der Wand zu verschönern.

 

Wilma Rapf-Karikari stellt jährlich hierfür ein Leit-Thema auf. Steht dieses, begibt sie sich auf Motivsuche, vorwiegend in Regensburger, Oberpfälzer und Niederbayerischen Ateliers. Die heimische Vielfalt ist dabei wichtig und so sorgen unterschiedliche künstlerische Aspekte und Techniken dafür, dass jedes Blatt-Wenden mit Unvorhersehbarem überrascht und deutlich macht, dass Kunst-Betrachtung auch Seh-Schule heißt.

 

Seitens der regionalen Künstlerschaft erlebt man die Einladung, im Kunstpartner-Kalender auftreten zu können, mittlerweile fast schon wie einen Einzug in die Hall of Fame.

 

Nach der Wahl der Bilder, Objekte oder Skulpturen wird Kunstfotograf Wolfram Schmidt auf bewährte Art aktiv, für die unverwechselbare Schriftgestaltung ist der Kartenhaus-Kollektivist Joachim Kerschensteiner zuständig, die Grafiken für die zwölf Kalenderblätter und das Deckblatt werden fertig, dazu ein Einleitungs-Text und Angaben zur künstlerischen Vita, das stammt aus der Feder namhafter Journalist/Innen, Schriftsteller/Innen oder Nonkonformisten wie den „Roten Rektor“ der Uni Regensburg Prof. Gustav Obermair, sie geben der Bilderschau den intellektuellen Rahmen und der Part von Ingo Kübler, Rapf-Karikaris Ehemann und Gesellschafter der Offset-Druckerei, beginnt.

 

Er stellt den Prototyp des Kalenders bei Firmen, Praxen und Büros in der Region vor, die als Abnehmer in Frage kommen oder kommen könnten, um damit für ihre Kunden, Patienten oder Geschäftsfreunde das besondere In-Weihnachtsgeschenk zu haben.

 

Somit ist Kunstpartnerschaft a la Rapf-Karikari-Kübler ein Zweierlei: Partnerschaft durch Kunst und Partnerschaft mit Kunst.

 

Rund 60 sind es, die auf das Angebot einer Kunst-Partnerschaft eingehen bzw die Verbindung, in der sie bereits stehen, fortsetzen.

 

Das wird dann gefeiert, in einem der historischen Herzen der Stadt, im Restaurant Leerer Beutel, dessen Inhaber ein Fan der guten Sache ist, in Anwesenheit der beteiligten Künstler, die wie bei einer Oskar-Verleihung vorgestellt werden und sich vorstellen können, dies im Rahmen einer Ausstellung der Originale, deren Abbilder dann unterwegs sind, im praktischen flachen Papier-Museum, das zu den Leuten kommt.

 

 

Wolfgang Herzer


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